Terrassenbeschattung Ratgeber

Norm

Windwiderstandsklassen nach DIN EN 13561

Kurz gesagt

Klassifiziert wird über den Winddruck in N/m², nicht über km/h — und je nach Produktart reichen die Klassen bis 2, bis 3 oder bis 6. Die überall zitierten Geschwindigkeitsangaben sind abgeleitete Faustwerte.

Klassifiziert wird über Druck, nicht über Kilometer pro Stunde

Fast überall im Netz steht, die Windwiderstandsklassen entsprächen bestimmten Windgeschwindigkeiten — Klasse 1 bis 28 km/h, Klasse 2 bis 38, Klasse 3 bis 49. Diese Zuordnung ist eine abgeleitete Faustregel aus dem Handel, keine Aussage der Norm.

Tatsächlich klassifiziert die Delegierte Verordnung (EU) 2019/1188, die die Norm DIN EN 13561 ergänzt, über den nominalen Winddruck pN in Newton pro Quadratmeter. Geprüft wird also, welchem Druck die Konstruktion standhält — und dieser Druck hängt außer von der Windgeschwindigkeit auch von Fläche, Bauform und Anströmung ab.

Windwiderstandsklassen nach Verordnung (EU) 2019/1188, Tabelle 2
KlasseNominaler Winddruck
Klasse 0unter 40 N/m²
Klasse 140 bis unter 70 N/m²
Klasse 270 bis unter 110 N/m²
Klasse 3110 N/m² und mehr

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Tabelle 2 der Verordnung gilt unter anderem für Gelenkarm-, Fassaden- und Wintergartenmarkisen sowie für Pergolen — also für die Bauarten, um die es auf dieser Website geht.

Drei Skalen, nicht eine

Der zweite verbreitete Irrtum: Klasse 3 sei generell die höchste. Das gilt nur für einen Teil der Produkte. Die Verordnung führt drei getrennte Klassentabellen, weil unterschiedliche Bauarten unterschiedlich belastbar sind:

  • Bis Klasse 6: Außenjalousien mit seitlichen Tuchführungsschienen und Pergolamarkisen — Klasse 6 beginnt bei 400 N/m².
  • Bis Klasse 3: Gelenkarm-, Schwenkarm-, Gleitarm-, Fassaden- und Wintergartenmarkisen, Markisoletten, vertikale Rollläden, Pergolen und Insektenschutzgitter.
  • Bis Klasse 2: Gelenkarmmarkisen in der gesonderten Betrachtung nach Tabelle 3 der Verordnung.

Eine Angabe „Klasse 3“ ist deshalb nur zusammen mit der Produktart aussagekräftig: Bei einer Wintergartenmarkise ist sie das Maximum, bei einer Pergolamarkise liegt sie im Mittelfeld.

Beaufort zur Einordnung

Wer Werte in Metern pro Sekunde in eine vorstellbare Größe übersetzen will, nutzt die Beaufort-Skala des Deutschen Wetterdienstes. Sie ordnet jeder Windstärke einen Geschwindigkeitsbereich und beobachtbare Wirkungen zu:

Beaufort-Stufen im relevanten Bereich
WindstärkeGeschwindigkeitWoran man sie erkennt
4 — mäßige Brise20 bis 28 km/hZweige bewegen sich, loses Papier wird angehoben
5 — frische Brise29 bis 38 km/hKleine Laubbäume schwanken, auf Gewässern bilden sich Schaumkronen
6 — starker Wind39 bis 49 km/hDicke Äste bewegen sich, Regenschirme werden schwer haltbar
9 — Sturm75 bis 88 km/hÄste brechen, kleinere Schäden an Gebäuden

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Die Beaufort-Skala ist eine meteorologische Skala, keine Produktklassifizierung. Sie hilft beim Einordnen, ersetzt aber nicht die Herstellerangabe zur Windwiderstandsklasse.

Was im Angebot stehen muss

Die Einstufung gilt für die konkrete Anlage in ihrer konkreten Ausführung, nicht für eine Baureihe allgemein. Dieselbe Reihe kann in kleiner Ausführung Klasse 3 erreichen und in großer nur Klasse 2, weil Fläche und Hebelwirkung mit der Größe zunehmen. Auch die Befestigung gehört dazu: Eine korrekt klassifizierte Markise an untauglichem Untergrund ist nicht klassifiziert, sondern nur montiert.

Für die Praxis heißt das: Die Klasse gehört ins Angebot — mit Bezug auf die bestellte Größe und mit Angabe der Produktart. „Bis Klasse 3 möglich“ ist keine Zusage.

Die vier Klassen der hier maßgeblichen Tabelle 2 stellen wir zusätzlich als offenen, maschinenlesbaren Datensatz bereit — mit den Druckwerten der Verordnung und den Einfahr-Empfehlungen des Fachverbands, nachzulesen unter Offene Daten.

Häufige Fragen

Wie viel km/h hält Windwiderstandsklasse 2 aus?

Die Norm macht dazu keine Angabe — klassifiziert wird über den nominalen Winddruck, bei Klasse 2 sind das 70 bis unter 110 N/m². Der Bundesverband Rollladen + Sonnenschutz empfiehlt, Gelenkarmmarkisen dieser Klasse ab 10 m/s einzufahren, also ab rund 36 km/h. Die verbreitete Angabe „bis 38 km/h“ ist eine Faustregel aus dem Handel, keine Normaussage.

Ist Klasse 3 die höchste Windwiderstandsklasse?

Nur für einen Teil der Produkte. Die Verordnung (EU) 2019/1188 führt drei Tabellen: Gelenkarm-, Fassaden- und Wintergartenmarkisen reichen bis Klasse 3, Außenjalousien mit Tuchführungsschienen und Pergolamarkisen bis Klasse 6, gesondert betrachtete Gelenkarmmarkisen bis Klasse 2. Eine Klassenangabe ohne Produktart sagt deshalb wenig.

Was bedeutet Windwiderstandsklasse 0?

Dass kein Windwiderstand bestimmt oder keine Anforderung gestellt wurde — in der Verordnung ist das der Bereich unter 40 N/m². Solche Anlagen sollten bei aufkommendem Wind grundsätzlich eingefahren werden.

Ab welcher Windstärke muss eine Wintergartenmarkise eingefahren werden?

Für Wintergartenmarkisen mit Schienenführung im Standardabstand nennt die Technische Richtlinie des Bundesverbands Rollladen + Sonnenschutz 12 m/s, also rund 43 km/h. Maßgeblich bleibt die Angabe des Herstellers zur konkreten Anlage.

Quellen

  1. Delegierte Verordnung (EU) 2019/1188 der Kommission vom 14.03.2019 zur Festlegung von Leistungsklassen für den Widerstand gegen Windlast bei Außenjalousien und Markisen — EU-Recht, Volltext bei EUR-Lex
  2. DIN EN 13561, Markisen — Leistungs- und Sicherheitsanforderungen — Norm, Bezug über Beuth-Verlag
  3. Bundesverband Rollladen + Sonnenschutz e.V.: Technische Richtlinie „Windeinflüsse, Windlasten, Einsatzempfehlungen“, Ausgabe April 2024 — Fachverband, abgestimmt mit den Fachausschüssen der IVRSA (PDF)
  4. Deutscher Wetterdienst: Beaufort-Skala (Wetter- und Klimalexikon) — Bundesbehörde

Wir verlinken als Quellen ausschließlich Normen, Behörden, Prüfinstitute, Fachverbände und technische Datenblätter — keine Shops und keine Ratgeberseiten. Zuletzt geprüft: August 2026. Angaben ohne Gewähr.

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