Terrassenbeschattung Ratgeber

Material

Wasserdicht, wasserabweisend, luftdurchlässig

Kurz gesagt

Für Sonnensegel gibt es keine normative Wasserdicht-Schwelle. Die bekannten Millimeterwerte stammen aus einer Norm für Regenschutzkleidung — und in der Praxis entscheiden ohnehin Nähte und Gefälle.

Drei Eigenschaften, die oft verwechselt werden

  • Luftdurchlässig (typisch HDPE-Netzgewebe): Die offene Struktur lässt Luft und Wasser durch. Vorteil: kein Hitzestau, weniger Windlast, kein Wassersack. Nachteil: kein Regenschutz, und bei Starkregen tropft es durch.
  • Wasserabweisend: Das Gewebe ist beschichtet oder imprägniert. Leichter Regen perlt ab, längerer oder stärkerer Regen kommt durch — vor allem an Nähten.
  • Wasserdicht: Das Material selbst lässt kein Wasser durch. Das sagt aber nichts über Nähte, Ösen und Ränder, und ohne Gefälle steht das Wasser im Tuch.

Was die Wassersäule aussagt — und was nicht

Die Wasserdichtigkeit von Textilien wird über die Wassersäule angegeben und nach DIN EN 20811 geprüft: In einem hydrostatischen Druckversuch steigt der Wasserdruck, bis die dritte Stelle des Gewebes durchnässt. Das Ergebnis wird in Millimetern angegeben.

Was in der Praxis wichtiger ist als die Zahl

Die Nähte. Ein Tuch kann eine hohe Wassersäule haben und trotzdem an jeder Naht tropfen. Verschweißte oder verschlossene Nähte sind der Unterschied zwischen „regensicher“ und „hält kurz“.

Das Gefälle. Ohne ausreichende Neigung steht Wasser auf dem Tuch, und stehendes Wasser findet jede Schwachstelle, ganz gleich welcher Messwert im Datenblatt steht.

Die Alterung. Imprägnierungen lassen nach. Ein fünf Jahre altes Gewebe erreicht seinen Ausgangswert nicht mehr; Nachimprägnieren hilft, aber nicht unbegrenzt.

Häufige Fragen

Ab welcher Wassersäule ist ein Sonnensegel wasserdicht?

Für Sonnensegel gibt es dafür keine Norm. Die oft genannten 1.000 bis 1.200 mm sind eine Konvention des Handels. Die bekannte Klassifizierung stammt aus EN 343 für Schutzkleidung: ab 800 mm Klasse 1 und 2, ab 1.300 mm Klasse 3. Geprüft wird die Wassersäule nach DIN EN 20811.

Was ist besser: luftdurchlässig oder wasserabweisend?

Das hängt vom Zweck ab. Luftdurchlässiges HDPE staut keine Hitze, bietet weniger Windangriffsfläche und bildet keine Wassersäcke — schützt aber nicht vor Regen. Beschichtetes Gewebe hält leichten Regen ab, braucht dafür mehr Neigung und ist windempfindlicher.

Warum tropft mein wasserabweisendes Segel an den Nähten?

Weil die Wassersäule das Material beschreibt, nicht die Verarbeitung. Nur verschweißte oder verschlossene Nähte sind dicht. Bei genähten Segeln sind die Nahtlöcher die Schwachstelle.

Lässt die Wasserdichtigkeit mit der Zeit nach?

Ja, Imprägnierungen bauen ab. Nachimprägnieren stellt einen Teil der Wirkung wieder her, erreicht den Neuzustand aber nicht dauerhaft.

Quellen

  1. DIN EN 20811 (ISO 811), Textilien — Bestimmung des Widerstands gegen das Durchdringen von Wasser, hydrostatischer Druckversuch — Norm, Bezug über Beuth-Verlag
  2. EN 343, Schutzkleidung — Schutz gegen Regen — Norm; gilt für Kleidung, nicht für Sonnensegel

Wir verlinken als Quellen ausschließlich Normen, Behörden, Prüfinstitute, Fachverbände und technische Datenblätter — keine Shops und keine Ratgeberseiten. Zuletzt geprüft: August 2026. Angaben ohne Gewähr.

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