Grundlagen
Warum es unter dem Glasdach so heiß wird
Kurz gesagt
Glas lässt Sonnenlicht herein, hält die daraus entstehende Wärmestrahlung aber zurück — und unter einem geschlossenen Dach staut sich zusätzlich die erwärmte Luft. Deshalb wirkt Beschattung über dem Glas gegen Hitze deutlich besser als darunter.

Kurzwellig rein, langwellig gefangen
Glas ist für das sichtbare Sonnenlicht weitgehend durchlässig. Trifft dieses Licht unter dem Dach auf Boden, Möbel und Wände, wird es dort absorbiert — die Flächen erwärmen sich und geben die Energie als langwellige Wärmestrahlung wieder ab. Für diese längere Wellenlänge ist Glas deutlich weniger durchlässig. Die Energie kommt also leichter hinein als hinaus.
Dazu kommt der zweite, oft unterschätzte Teil: Unter einem geschlossenen Dach steht die erwärmte Luft. Wo sie nicht abziehen kann, staut sich die Wärme zusätzlich. Deshalb verhält sich ein rundum verglaster Wintergarten so viel unangenehmer als ein überdachter Sitzplatz mit offenen Seiten — und deshalb ist Lüftung bei der Planung kein Nebenthema.
Der Sonnenstand macht den Unterschied
Warum das Problem im Sommer auftritt und im Winter nicht, lässt sich ausrechnen. Die maximale Höhe der Sonne über dem Horizont beträgt am Mittag:
- Sommersonnenwende: 90° − geografische Breite + 23,44°
- Wintersonnenwende: 90° − geografische Breite − 23,44°
Deutschland liegt zwischen etwa 47,3° (Oberallgäu) und 55,0° (Flensburg) nördlicher Breite. Daraus folgt ein Sonnenhöchststand von rund 58 bis 66 Grad im Hochsommer und nur 11 bis 19 Grad im Winter.
Für ein Glasdach heißt das: Im Sommer trifft die Strahlung fast senkrecht auf die Dachfläche — also mit voller Wucht auf die größte Fläche der Konstruktion. Im Winter kommt sie flach von der Seite und trifft das Dach nur streifend. Genau deshalb ist derselbe Wintergarten im Februar ein Gewinn und im Juli eine Last. Und genau deshalb muss Beschattung beweglich sein: Was im Sommer hilft, kostet im Winter Wärme und Licht.
Was das für die Wahl der Beschattung bedeutet
Aus der Physik folgt eine klare Rangfolge, wenn es um Hitze geht:
- Über dem Glas beschatten. Die Strahlung wird abgefangen, bevor sie die Scheibe erreicht. Die Wärme entsteht gar nicht erst im Innenraum.
- Unter dem Glas beschatten. Das Tuch nimmt die Blendung und einen Teil der Strahlung, aber zwischen Glas und Tuch entsteht ein Wärmepolster, das seine Energie nach innen abgibt.
- Lüften. Ohne Luftwechsel bleibt jede Beschattung Stückwerk. Bei geschlossenen Wintergärten gehören Öffnungen unten und oben zur Planung.
Das ist keine Meinung, sondern spiegelt sich in den Kennwerten der DIN 4108-2 wider: Der Abminderungsfaktor Fc einer außenliegenden Markise liegt bei etwa 0,5, ein außenliegender Raffstore erreicht rund 0,25, während innenliegender Sonnenschutz je nach Farbe und Transparenz bis zu 0,9 erreicht — also fast keinen Effekt auf den Wärmeeintrag hat. Zur Einordnung: Fc = 1,0 bedeutet „kein Sonnenschutz“.
Häufige Fragen
Hilft eine Markise unter dem Glasdach gegen Hitze?
Warum ist mein Wintergarten heißer als die überdachte Terrasse?
Wie hoch steht die Sonne im Sommer in Deutschland?
Reicht es, das Glasdach heller zu machen?
Quellen
- DIN 4108-2, Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden — Mindestanforderungen an den Wärmeschutz — Norm, Bezug über Beuth-Verlag
- Bundesverband Rollladen + Sonnenschutz e.V.: Technische Richtlinie „Wärmeschutz“, Ausgabe April 2024 — Fachverband (PDF)
Wir verlinken als Quellen ausschließlich Normen, Behörden, Prüfinstitute, Fachverbände und technische Datenblätter — keine Shops und keine Ratgeberseiten. Zuletzt geprüft: August 2026. Angaben ohne Gewähr.