Antrieb
Motor, Wind- und Sonnensensor
Kurz gesagt
Der Motor entscheidet, ob die Beschattung tatsächlich genutzt wird. Der Windwächter entscheidet, ob sie den nächsten Sturm übersteht — und wie viel Wind eine Anlage verträgt, sagt allein die Windwiderstandsklasse nach DIN EN 13561.
Handbetrieb, Motor oder Automatik?
Handbetrieb über Schnurzug oder Kurbel ist günstig, wartungsarm und funktioniert auch bei Stromausfall. Bei kleinen, gut erreichbaren Flächen ist er völlig ausreichend.
Motorantrieb lohnt ab dem Punkt, an dem Bedienung mühsam wird — große Flächen, mehrere Bahnen, schwer erreichbare Positionen. Der praktische Effekt ist größer, als er klingt: Eine Beschattung, die man bequem bewegen kann, wird tatsächlich bewegt. Eine, für die man erst eine Kurbel holen muss, bleibt im Zweifel offen oder geschlossen.
Sensorautomatik übernimmt die Entscheidung. Sie ist dort sinnvoll, wo niemand zuverlässig da ist, um zu reagieren — und beim Windschutz ist sie mehr als Komfort.
Der Windwächter ist kein Komfortzubehör
Bei außenliegender Beschattung ist ein Windsensor die wichtigste Automatik überhaupt. Er fährt das Tuch ein, bevor der Wind es beschädigt — auch dann, wenn niemand zu Hause ist.
Wie viel Wind ein System aushält, ist keine Verhandlungssache, sondern nach DIN EN 13561 klassifiziert. Die Klassen reichen von 0 bis 3:
| Klasse | Nominaler Winddruck | Einfahren empfohlen ab |
|---|---|---|
| Klasse 0 | unter 40 N/m² | bei jedem aufkommenden Wind |
| Klasse 1 | 40 bis unter 70 N/m² | 7 m/s (rund 25 km/h) |
| Klasse 2 | 70 bis unter 110 N/m² | 10 m/s (rund 36 km/h) |
| Klasse 3 | 110 N/m² und mehr | Herstellerangabe beachten |
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Druckwerte nach Verordnung (EU) 2019/1188, Tabelle 2 (u. a. Wintergartenmarkisen). Die Einfahr-Empfehlungen stammen aus der Technischen Richtlinie des Bundesverbands Rollladen + Sonnenschutz und gelten für Gelenkarmmarkisen; für Wintergartenmarkisen mit Schienenführung nennt die Richtlinie 12 m/s.
Sonnensensor: sinnvoll oder Spielerei?
Ein Sonnensensor fährt die Beschattung bei starker Einstrahlung automatisch aus. Das ist im Wintergarten nützlich, weil dort die Aufheizung schnell geht und niemand mittags zu Hause sein muss, um zu reagieren. Bei einer offenen Terrasse, die man ohnehin nur nutzt, wenn man da ist, ist der Nutzen geringer.
Zwei Punkte, die in Verkaufsgesprächen selten vorkommen: Ein Sonnensensor sollte eine Verzögerung haben, sonst fährt die Anlage bei durchziehenden Wolken ständig hin und her. Und er sollte sich abschalten lassen — im Winter ist die einfallende Sonne ein Wärmegewinn, den man nicht automatisch aussperren will.
Häufige Fragen
Braucht eine Unterglasmarkise einen Windwächter?
Was bedeutet Windwiderstandsklasse 3?
Lohnt sich ein Sonnensensor?
Funktioniert die Beschattung bei Stromausfall?
Quellen
- Bundesverband Rollladen + Sonnenschutz e.V.: Technische Richtlinie „Windeinflüsse, Windlasten, Einsatzempfehlungen“, Ausgabe April 2024 — Fachverband, abgestimmt mit den Fachausschüssen der IVRSA (PDF)
- Delegierte Verordnung (EU) 2019/1188 der Kommission vom 14.03.2019 zur Festlegung von Leistungsklassen für den Widerstand gegen Windlast bei Außenjalousien und Markisen — EU-Recht, Volltext bei EUR-Lex
- Deutscher Wetterdienst: Beaufort-Skala (Wetter- und Klimalexikon) — Bundesbehörde
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