Entscheidung
Unterglas oder Aufdach: was wirklich kühlt
Kurz gesagt
Über dem Glas wird die Sonne abgefangen, bevor Wärme entsteht — unter dem Glas wird sie erst gebremst, wenn sie schon drin ist. Für Hitze ist die Aufdachlösung klar überlegen, für Blendung, Sauberkeit und Windschutz spricht die Unterglaslösung.
Der Unterschied in einem Satz
Eine Aufdachbeschattung liegt über der Verglasung und fängt die Sonne ab, bevor sie das Glas erreicht. Eine Unterglasmarkise läuft unterhalb der Scheiben und nimmt das Licht erst, wenn die Strahlung schon im Aufbau ist. Alles Weitere folgt aus diesem einen Unterschied.
| Kriterium | Unter dem Glas | Über dem Glas |
|---|---|---|
| Wirkung gegen Hitze | begrenzt — Wärmepolster zwischen Glas und Tuch | stark — Strahlung wird vor der Scheibe abgefangen |
| Wirkung gegen Blendung | sehr gut, gleichmäßiges Licht | gut, je nach Gewebe |
| Witterung | geschützt, kaum Verschmutzung | voll ausgesetzt: Regen, Wind, Laub, Pollen |
| Windempfindlichkeit | gering, da geschützt liegend | höher — Windwächter üblich, Klasse nach DIN EN 13561 beachten |
| Reinigung | Tuch bleibt lange sauber; das Glas darüber verschmutzt weiter | Tuch verschmutzt schneller, schützt aber das Glas |
| Optik von innen | prägt den Raum, verdeckt die Dachkonstruktion | Dachkonstruktion bleibt sichtbar |
| Nachrüsten | meist gut möglich, Führung an den Sparren | abhängig von Statik und Befestigungspunkten |
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Die Einstufungen fassen die bauphysikalische Wirkungsweise zusammen; die Fc-Kennwerte dazu stehen im Abschnitt darunter.
Was die Norm dazu sagt
Die DIN 4108-2 beschreibt für den sommerlichen Wärmeschutz den Abminderungsfaktor Fc. Er gibt an, welcher Anteil der Sonnenenergie trotz Sonnenschutz noch in den Raum gelangt — je kleiner, desto besser:
- Fc = 1,0 — kein Sonnenschutz
- Fc ≈ 0,9 — innenliegender Sonnenschutz, dunkel und hoch transparent
- Fc ≈ 0,5 — außenliegende Markise
- Fc ≈ 0,25 — außenliegender Raffstore
Die Werte gelten für Fassadenverglasungen und lassen sich nicht eins zu eins auf ein Terrassendach übertragen — die Größenordnung zeigt aber deutlich, wohin die Physik zeigt: Außen liegender Sonnenschutz hält ein Vielfaches der Energie ab.
Wann welche Lösung passt
Für die Aufdachlösung spricht: Der Raum darunter wird tatsächlich kühler, weil die Energie draußen bleibt. Das ist die richtige Wahl bei Süd- und Südwestlage, bei geschlossenen Wintergärten und überall dort, wo Hitze das eigentliche Problem ist.
Für die Unterglaslösung spricht: Sie liegt wettergeschützt, hält länger sauber, ist unempfindlicher gegen Wind und macht ein sehr angenehmes, gleichmäßiges Licht. Bei offenen Terrassenüberdachungen, bei denen die Wärme seitlich abziehen kann, ist sie oft die praktischere Lösung — dort ist Blendung das Hauptproblem, nicht der Wärmestau.
Beides zusammen ist möglich und in Wintergärten mit starker Südlage nicht ungewöhnlich: außen gegen die Hitze, innen gegen die Blendung. Das ist die teuerste Variante und lohnt sich nur, wenn der Raum ganzjährig als Wohnraum genutzt wird.
Häufige Fragen
Was ist besser: Unterglasmarkise oder Aufdachmarkise?
Was bedeutet der Fc-Wert?
Kann man beides kombinieren?
Hält eine Aufdachmarkise Wind aus?
Quellen
- DIN 4108-2, Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden — Mindestanforderungen an den Wärmeschutz — Norm, Bezug über Beuth-Verlag
- Bundesverband Rollladen + Sonnenschutz e.V.: Technische Richtlinie „Wärmeschutz“, Ausgabe April 2024 — Fachverband (PDF)
- Bundesverband Rollladen + Sonnenschutz e.V.: Technische Richtlinie „Windeinflüsse, Windlasten, Einsatzempfehlungen“, Ausgabe April 2024 — Fachverband, abgestimmt mit den Fachausschüssen der IVRSA (PDF)
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